2012 – Salvage Project: Handgemacht Upcycled Denim | Kuyichi
2012
10/25
Salvage Project: Ein Atelier mitten auf der Messe
4. August 2026
4 Min. Lesezeit
Kuyichi feiert 25 Jahre Pure Denim Pioneering. Wir blicken zurück auf die Momente, die unsere Reise geprägt haben. Auf die Entscheidungen, die Zusammenstöße und die Wendungen, die uns zu der Marke gemacht haben, die wir heute sind.

Heute teilen wir Teil 10 von 25: das Salvage Project, das Jahr, in dem wir ein komplettes Atelier mitten auf einer Messefläche aufgebaut haben.

Abfall nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt.

Ein Stapel alter Jeans auf dem Tisch

2012 begann eines unserer Projekte nicht mit einem Moodboard oder einem Stoffmuster, sondern mit einem Stapel ausgedienter Kleidung. Getragen, verblasst, abgewetzt. Übrig gebliebene Samples aus früheren Kollektionen und alte Kleidung, die Kunden in unseren Stores gegen einen Rabatt abgeben konnten. Die meisten Menschen hätten darin nichts mehr gesehen.

Wir sahen etwas anderes.

Stoff, der Jahre hält. Nähte, die Geschichten tragen. Indigo, das mit der Zeit nur schöner wird.

Zum Wegwerfen war es uns zu schade. Also fingen wir an zu tüfteln: Was lässt sich daraus noch machen?

Upcycling war in der Denimwelt damals kaum ein Begriff. Wie man aus ausgedienter Kleidung eine vollwertige Kollektion macht, mussten wir also selbst herausfinden.

Tinker, Kampagne Herbst 2012

Tinker, Kampagne Herbst 2012

Finishing Room, Bread & Butter Berlin 2012

Finishing Room, Bread & Butter Berlin 2012

Retten, was verloren zu gehen droht

Wir nannten es das Salvage Project.

Salvage heißt wörtlich: retten, was verloren zu gehen droht.

Und genau das passierte.

In unserem Atelier in Haarlem wurden getragene Jeans, Jacken und T-Shirts auseinandergenommen. Unser Designteam entwarf daraus neue Stücke: Patchwork-Jacken und Hemden aus unterschiedlichen Denim-Tönen und -Texturen. Jedes Kleidungsstück wurde von Hand zugeschnitten und genäht.

Danach ging jedes Stück ins Indigobad. Von Hand getaucht in natürliches Indigo, für eine tiefere Farbe manchmal bis zu zehnmal, verteilt über drei Wochen. Stimmte die Farbe, arbeiteten unsere Designer das Stück weiter aus, mit Schleif- und Nähtechniken von Hand. Zum Schluss druckte unser Grafikteam die Labels und Verpackungen, ebenfalls aus recyceltem Material.

Mit bestehendem Material zu entwerfen war eine Kunst für sich. Jede Jeans ist anders abgetragen, anders verfärbt, anders geschnitten. Du beginnst nicht mit einem leeren Blatt, sondern mit dem, was das Material zulässt. Manchmal mühsam. Aber genau diese Grenzen brachten Entwürfe hervor, die wir sonst nie gemacht hätten.

Sewing Room und Cutting Room, Bread & Butter Berlin 2012
Sewing Room und Cutting Room, Bread & Butter Berlin 2012

Acht Räume, ein Prozess

Das Salvage Project feierte seine Premiere auf der Bread & Butter in Berlin, damals eine der größten Denim- und Modemessen Europas, mit Hunderten Marken und Zehntausenden Fachbesuchern pro Ausgabe.

Wo andere Marken ihre neueste Kollektion präsentierten, verlegten wir unser Atelier für drei Tage auf die Messefläche. Eine lange Wand aus Abbruchholz und Paletten, mit acht Fenstern darin. Neben jedem Fenster eine handgeschriebene Kreidetafel:

Cutting Room. Sewing Room. Indigo Room. Drying Room. Press Room. Labeling Room. Trimming Room. Finishing Room.

Hinter diesen Fenstern wurde wirklich gearbeitet. Im Cutting Room wurden alte Kleidungsstücke auseinandergenommen. Im Sewing Room ratterten die Nähmaschinen. Im Indigo Room stand eine Badewanne voller Indigo, in der Stücke von Hand getaucht wurden. Weiter zur Wäscheleine im Drying Room, unter das Bügeleisen im Press Room und vorbei am Labeling Room und Trimming Room für Kuyichi-Labels, Knöpfe und Nieten. Im Finishing Room bekam jedes Stück auf der Schneiderpuppe seinen letzten Check.

Sailor, Kampagne Herbst 2012

Sailor, Kampagne Herbst 2012

Indigo Room, mit den Arbeitsshirts Soldier und Sailor, Berlin 2012

Indigo Room, mit den Arbeitsshirts Soldier und Sailor, Berlin 2012

Tinker, Tailor, Soldier, Sailor

Unser Team trug Arbeitsshirts mit schablonierten Namen auf dem Rücken:

Tinker, Tailor, Soldier, Sailor, Rich Man, Poor Man, Beggar Man, Thief.

Die acht Figuren aus "Tinker, Tailor", einem jahrhundertealten englischen Auszählreim. Er war der rote Faden unserer Kollektionen in jenem Jahr: Jede Lieferung ließ sich von einer dieser Figuren inspirieren und davon, wie Krieg, Industrie und vergessene Handwerke die Kleidung der Menschen dahinter geprägt haben. Acht Figuren, acht Räume. Das passte genau.

Die Presse beschrieb den Stand als lebende Installation. Besucher sahen kein Endprodukt mit einer Geschichte dazu. Sie sahen die Geschichte selbst: von ausgedientem Kleidungsstück zu neuem Entwurf, in acht Schritten.

Versteigert für einen guten Zweck

Die Stücke, die in Berlin entstanden, verschwanden danach nicht im Lager. Ein paar Monate später bekamen sie eine zweite Premiere im Café Roest in Amsterdam.

Dort wurde die Kollektion wie in einer Galerie präsentiert: eine Sammlung zu 100 Prozent recycelter, handgemachter und mit Indigo gefärbter Kleidungsstücke, jedes einzelne ein Unikat. Besucher konnten ein Gebot auf den Entwurf ihrer Wahl abgeben.

Der komplette Erlös ging an die Ubuntu Streetkids Foundation, eine Stiftung, die Straßenkindern die Chance gibt, ihre kreativen Fähigkeiten zu entwickeln.

So endete die Geschichte, wie sie begann: mit der Überzeugung, dass ausgediente Kleidung noch Wert hat. Für das Material und für jemand anderen.

Mit dem Salvage Project haben wir gezeigt, dass Abfall kein Endpunkt sein muss, sondern der Anfang von etwas Neuem.

Das war die 10. Geschichte in unserer 25-teiligen Serie zu 25 Jahren Kuyichi.
Bleib dran für das nächste Kapitel unserer Reise. Bis dahin kannst du unsere neuesten Styles entdecken oder unser vorheriges Kapitel nachlesen.

Items aus der Salvage Kollektion, Herbst 2012

Items aus der Salvage Kollektion, Herbst 2012

Neu

Mit dem Salvage Project haben wir gezeigt, dass Abfall kein Endpunkt sein muss,
sondern der Anfang von etwas Neuem.

25 Jahre Pure Denim Pioneering. Jedes Kapitel eine Entscheidung, jede Entscheidung ein Schritt vorwärts.

25 Jahre Pure Denim Pioneering